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Freitag, 21. September 2018

Gute Beispiele kommunaler Arbeitsintegration

Pressemitteilung: Deutscher Landkreistag | 06.11.2008

Lernen, morgens aufzustehen – das Projekt „Gleisbrücke“ im Kreis Steinfurt

Wenn Susanne Fischer über ihre Arbeit spricht, reden ihre Hände mit. Ihr Blick lässt erahnen, dass sie viel gesehen und gehört hat. Die Sozialpädagogin in der „Gleisbrücke“ in Greven im nordrhein-westfälischen Kreis Steinfurt, einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme, sagt: „Das Projekt verfolgt das Ziel, junge Erwachsene unter 30 Jahren den Weg in die Arbeit zu ebnen. Die Teilnehmer sind Hartz IV-Empfänger und wurden von der Optionskommune Kreis Steinfurt vermittelt.“

Landrat Thomas Kubendorff lobt das Besondere an diesem Projekt: „Sowohl arbeitslose Jugendliche als auch Langzeitarbeitslose über 50 Jahre sind in das Projekt ‚Gleisbrücke’ integriert. So profitieren auf der einen Seite die jungen Erwachsenen von der langjährigen Erfahrung der Älteren in einem handwerklichen Beruf, auf der anderen Seite finden auch diese wieder eine berufliche Beschäftigung.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 53 Prozent der Teilnehmer waren nach der Maßnahme wieder beschäftigungsfähig. Sie haben auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job gefunden, eine Ausbildung oder eine Reha-Maßnahme absolviert, eine Schule oder eine höherwertige Qualifizierungsmaßnahme besucht.

Die Teilnehmer haben familiäre oder psychische Schwierigkeiten oder Suchtprobleme, sind verschuldet oder straffällig geworden. Viele müssen sich an eine Tagesstruktur gewöhnen und lernen, morgens aufzustehen. Sie werden durch einen Handwerksmeister und eine Diplom-Sozialpädagogin betreut. Neben der pädagogischen Arbeit erfolgen fachpraktische und fachtheoretische Qualifizierungen in den verschiedenen Gewerken wie z. B. Trockenbau, Holz-/ Tischlergewerk. So wurden alte Hallen wieder instand gesetzt, von denen eine zur Verkaufshalle für Möbel geworden ist. Hier werden gebrauchte Möbel abgegeben und durch die jungen Frauen und Männer für den Verkauf wiederaufbereitet. „Die Einbettung des Projektes in die lokalen Strukturen hat besonders zur positiven Entwicklung der Teilnehmer beigetragen“, erläutert Fischer. So sei die Kooperation mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst, der Schuldnerberatung und der Drogenberatung ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Auch Evelin Rokstein nimmt an diesem Projekt teil. „Nur mit einem Hauptschulabschluss hatte ich es schwer, eine Ausbildung zu finden“, sagt sie. Sie hat einige Jobs gehabt, war dann erwerbslos. In der Gleisbrücke habe sie wieder einen Tagesrhythmus kennengelernt. Anfangs sei ihr das Aufstehen sehr schwergefallen. Dazu Fischer: „Viele Teilnehmer lernen erst in der Gleisbrücke Arbeit kennen. Einige sträuben sich am Anfang, neun Prozent brechen sogar die Maßnahme ab. Arbeit ist für manche etwas Abstraktes, das sie nicht aus ihrer eigenen Lebenswirklichkeit kennen.“

Berlin, den 6. November 2008